Als ich noch nicht so lange gebloggt hab, hab ich den Blog eines Freundes gelesen. Komplett.
Mal abgesehen davon, dass er ein paar nicht so coole Sachen erlebt hat (und damit meine ich nicht Liebeskummer oder solche Luxusprobleme sondern richtige Sorgen) hat er generell nur über nicht so schöne Dinge geschrieben. Dabei sollte man sich doch gerade über die schönen Dinge im Leben freuen. Ich erlebe ja auch hin und wieder ganz kleine Dinge über die ich schmunzeln muss und manchmal freu' ich mich so darüber dass ich das sogar hier erwähne. Aber das bleibt die Ausnahme. Ich hab meinen besagten Freund damals gefragt ob er nicht auch mal schöne Dinge erlebt über die er schrieben kann... Tja, das wurde mir vor gar nicht all zu langer Zeit auch ans Herz gelegt. Heute versteh' ich dass das Schwachsinn ist und das auch meine Frage damals an ihn eigentlich blöd war...
Ich blogge vielleicht ab und an über Dinge die nicht sagenhaft traumatisierend oder ganz fürchterlich schrecklich sind oder mich einfach nur wahnsinnig sauer machen - aber meistens ist es eben doch genau das. Denn ich bin zwar ein Mensch, der sehr leicht zu belustigen ist, leider aber dafür nur sehr schwer zu beeindrucken. Von daher ist es natürlich auch viel leichter für die Welt mich rasend so machen - und zwar so sehr, dass ich Dampf ablassen muss, hier - als mich so überschwänglich und glücklich zu machen, dass ich die ganze Menschheit daran teilhaben lassen möchte.
Und wozu braucht man Ventile? Wozu? Um Dampf abzulassen. Um Druck ab zulassen. Ventile regeln den Durchfluss von Liquiden, von Flüssigkeiten oder Gasen. Und wenn dieser Durchfluss nicht korrekt geregelt wird... man stelle sich einen Dampfkessel vor... dann explodiert das Behältnis irgendwann. Teekessel fangen an zu dampfen und zu quietschen und Menschen fangen an zu schreien, Sachen kaputt zu machen... oder eben zu bloggen. Wenn die Welt einen ankotzt, mal wieder alles nervt (so wie mit 13) und sowieso alles schief geht, dann bloggt man, damit man sich wenigsten irgendwie Luft machen kann ohne dass man dabei irgendwas zerstört oder jemandem, der nun wirklich gar nichts dafür kann körperliche irgendwelche Leiden zufügt.
Ich hab oft versucht über gute Dinge zu schreiben, aber das kennen die Menschen doch. Jeder weiß hoffentlich wie sich Glück anfühlt. jeder hat es schon mal - wenn auch nur kurz - empfunden, denn Glück ist so vergänglich, dass jeder es wenigstens schon ein mal für eine kurze Dauer gehabt haben muss. Aber Leid und Schmerzen... das kennen viele nur aus dem Fernsehen:
Wenn Menschen monatelang nicht schlafen, weil die Gedanken so laut kreisen, dass man vor Kopfschmerzen am liebsten weinen möchte.
Wenn die Depressionen schon so weit voran geschritten sind, dass man den typischen Druck auf der Brust bereits spürt. So als würde ein 4 Jähriger drauf sitzen. Nicht schwer, aber auf Dauer doch unangenehm und belastend.
Wenn man nicht mehr weiter weiß, nicht mehr kann und irgendwann auch einfach nicht mehr möchte.
Wenn man aber trotzdem weiter macht, weil man weiß, dass man nicht allein ist und auch für die Familie eine gewisse Verantwortung trägt... Weil man niemanden zurücklassen kann.
Es ist beschissen, wenn man vor lauter Kummer krank wird, aber noch beschissener ist es ein Kind zu haben, das vor lauter Kummer krank wird.
Ventile sind also nicht dazu da, um das Gold aus dem Topf am Ende des Regenbogens rauschen zu lassen. Sie sind dafür da, um zumindest so viel Dampf aus dem Kessel zu lassen, damit er nicht explodiert...
Ich hab schon oft versucht Lieder über gute Momente im Leben zu schreiben, aber es klappt meistens nicht. Ich hab schon ganz zu Beginn meiner eigenen Schreiberei gehört: "Die beste Texte schreibt man, wenn es einem richtig beschissen geht." Und so ist es auch. Fast jedes Lied hat bei genauerer Betrachtung irgendetwas trauriges und wenn es nur die Tatsache ist, dass die Worte einfach nicht gut genug für Dich sind.
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